← NewsroomBeitrag 5 von 5 · Der Umbau

Wie verändern wir das Unternehmen mit KI bei laufendem Betrieb?

Warum KI das ganze Unternehmen betrifft, was dabei bleibt und was sich ändert.

Sebastian FetzSebastian FetzCEO
· ca. 7 Min. Lesezeit
Der Umbau

Nach einem schweren Sturm sieht man im Wald schnell, was trägt. Die Monokultur aus Fichten liegt oft flach, Stamm an Stamm. Der Mischwald daneben steht noch. Auch dort sind Bäume gefallen, aber der Wald als Ganzes hat gehalten.

Das liegt nicht daran, dass sich im Mischwald nichts verändert. Im Gegenteil: Er erneuert sich ständig. Alte Bäume fallen, junge wachsen nach. Und weil viele Arten nebeneinanderstehen, trifft kein Sturm alle zugleich.

Mittelständische Unternehmen funktionieren ähnlich. Viele bestehen seit Jahrzehnten, weil sie sich immer wieder neu aufgestellt haben: mit neuen Maschinen, neuen Märkten, mit der Digitalisierung. Nicht zufällig stammt der Begriff Nachhaltigkeit aus dem Wald. 1713 forderte der sächsische Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz eine „continuierliche, beständige und nachhaltende Nutzung“ der Wälder. Langfristig zu denken, ist im Wald wie im Mittelstand dieselbe Haltung.

Künstliche Intelligenz ist die nächste dieser Erneuerungen. Sie reicht tiefer als die bisherigen, und sie kommt schneller.

Warum es diesmal das ganze Unternehmen betrifft

Die Digitalisierung hat vor allem bestehende Abläufe in Software übertragen. Aus dem Formular wurde eine Eingabemaske, aus dem Aktenschrank ein Laufwerk. Die Arbeit selbst blieb, wie sie war. Nur das Werkzeug war neu.

Mit KI ist das anders. Sie unterstützt die Arbeit nicht nur, sie erledigt Teile davon selbst. Sie liest Anfragen, schreibt Angebote, prüft Rechnungen. Damit ändert sich, wer was tut, wer was entscheidet, wo Wissen liegt und wofür Kunden bezahlen. Das betrifft nicht eine Abteilung, sondern das ganze Unternehmen.

Deshalb reicht ein neues Werkzeug allein nicht. 45 Prozent aller Unternehmen geben 2026 mehr Geld für KI aus als im Vorjahr. Doch kein Unternehmen, das KI einsetzt, nutzt nach eigener Einschätzung ihr Potenzial voll aus. 28 Prozent schöpfen die Möglichkeiten wenig aus, 59 Prozent sogar überhaupt nicht, so die aktuelle Befragung des Digitalverbands Bitkom. Wer dagegen eine Strategie für die Digitalisierung insgesamt hat, setzt KI um bis zu neun Prozentpunkte häufiger ein. Das zeigt eine Auswertung der KfW.

45 %der Unternehmen geben 2026 mehr Geld für KI aus als im Vorjahr
87 %schöpfen die Möglichkeiten von KI nach eigener Einschätzung wenig oder gar nicht aus
bis zu +9Prozentpunkte häufiger KI-Einsatz mit einer Strategie für die Digitalisierung
Grundlage: Bitkom-Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten (2026), KfW-Mittelstandspanel (2025)

Die anderen Beiträge dieser Reihe zeigen, warum KI selten im Ergebnis ankommt, wie sie Geschäftsmodelle verschiebt, wie Unternehmen trotz fehlender Fachkräfte wachsen und wie sie beim KI-Einsatz die Kontrolle behalten. Alles läuft auf denselben Punkt zu: Es geht um den Umbau des ganzen Unternehmens. Die Frage ist, wie er gelingt, ohne zu verlieren, was das Unternehmen stark macht.

Was bleibt

Umbau heißt nicht, alles über Bord zu werfen. Was ein mittelständisches Unternehmen stark macht, entscheidet darüber, wie der Umbau gelingt: die Werte, die Nähe zum Kunden, die Qualität, die Verantwortung für die Belegschaft und die Unabhängigkeit. Sie sind kein Hindernis für den Wandel, sondern sein Maßstab.

Dazu gehören die Stärken, die den Mittelstand ausmachen: Ingenieurskunst, Optimierung bis ins Detail, Präzision und Verlässlichkeit. Genau diese Stärken kann KI verstärken. Wer über Jahrzehnte gelernt hat, eine Anlage besser auszulegen als andere, besitzt das Wissen, das eine KI braucht, um wirklich zu helfen.

Hier liegt auch Europas Chance. Europa muss nicht das bessere Silicon Valley werden und Tempo und Größe der großen Plattformen kopieren. Es kann auf das setzen, was es schon kann. Eine Wirtschaft aus vielen spezialisierten Mittelständlern ist kein Nachteil. Sie ist ein Mischwald. Und Verlässlichkeit wird zum Wettbewerbsvorteil, wenn Kunden genau wissen wollen, wem sie ihre Daten und Abläufe anvertrauen.

Was sich ändert

Was sich ändert, lässt sich in fünf Punkten fassen.

  • Die Abläufe. Sie werden vom Ergebnis für den Kunden her neu gedacht, nicht nur beschleunigt.
  • Die Rollen. Mitarbeitende arbeiten weniger ab und prüfen, entscheiden und betreuen mehr.
  • Das Wissen. Was heute in wenigen Köpfen steckt, wird festgehalten und für alle nutzbar, auch für die KI.
  • Die Preise. Wenn Arbeit billiger wird, verschiebt sich, wofür Kunden bezahlen. Darum geht es im Beitrag zum Geschäftsmodell.
  • Die Führung. Die Geschäftsführung lenkt den Umbau selbst, statt ihn an die IT abzugeben.

Umbau bei laufendem Betrieb

Viele Mittelständler haben schlechte Erfahrungen mit großen IT-Projekten gemacht. Sie sind damit in guter Gesellschaft. Lidl hat 2018 die Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems nach sieben Jahren gestoppt. Nach Berichten der Lebensmittel Zeitung waren bis dahin rund 500 Millionen Euro investiert. Beim Süßwarenhersteller Haribo kam es im selben Jahr vor Weihnachten zu Lieferengpässen. Als ein Grund galt die Umstellung auf ein neues Warenwirtschaftssystem.

Die Lehre daraus: Der große Wurf, bei dem alles auf einmal umgestellt wird, ist das größte Risiko. Der bessere Weg folgt dem Mischwald: nicht alles auf einmal, sondern ein Ablauf nach dem anderen. Jeder davon wird von Grund auf neu gedacht, nicht nur ein wenig verbessert. Jeder wird umgesetzt, während der Betrieb weiterläuft. Und keine Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter, der Preise und Richtung allein bestimmt.

In der Praxis hat sich ein Weg in Etappen bewährt. So gehen wir ihn mit unseren Kunden:

  1. Abwägen & Bewerten. Ziele und Kennzahlen festlegen, den Rahmen aus Daten, Systemen und Recht klären.
  2. Erheben & Verknüpfen. Das Wissen aus Köpfen, Dateien und Ablagen erfassen und zusammenführen.
  3. Entwerfen & Umdenken. Abläufe vom Kundennutzen her neu entwerfen und die Machbarkeit prüfen.
  4. Planen & Priorisieren. Jeden Ablauf nach Nutzen, Aufwand und Abhängigkeiten bewerten und eine Reihenfolge festlegen.
  5. Umsetzen & Automatisieren. KI übernimmt Routinearbeit, Schritt für Schritt, während der Betrieb weiterläuft.
  6. Verankern & Etablieren. Teams schulen, klare Regeln für KI festlegen, Neues zum Standard machen.
  7. Ausbauen & Wachsen. Was im Kern funktioniert, trägt in weitere Bereiche.

Jede Etappe endet mit einem Ergebnis, das man messen kann. Das klingt nach einem langen Weg, ist es aber nicht. Der erste Ablauf kann nach drei Monaten laufen. Während er wirkt, beginnt der nächste. Schrittweise heißt nicht langsam, sondern sicher.

Was die Geschäftsführung tun muss

Ein Umbau dieser Art lässt sich nicht delegieren. Drei Dinge liegen bei der Geschäftsführung.

Zukunft erzählen. In Deutschland wird viel über Risiken gesprochen und wenig über Zukunftsbilder. Die Zukunftsforscherin Florence Gaub schreibt: „Eine Zukunft muss nicht gut sein, damit man weniger oder keine Angst vor ihr hat, sondern sie muss beeinflussbar sein.“ Für die Geschäftsführung heißt das: ein Bild davon zeichnen, wo das Unternehmen in zehn Jahren steht. Und zeigen, welcher Schritt heute dorthin führt. Wer so vom Ziel zurückdenkt, macht Zukunft gestaltbar, auch für die Belegschaft.

Tempo halten. Etappen sind kein Grund zu warten. Die Anzeichen aus dem Beitrag zum Geschäftsmodell zeigen, dass sich Märkte schon jetzt verschieben. Lieber jedes Quartal ein Ablauf mit messbarem Ergebnis als alle zwei Jahre ein Großprojekt.

Die Belegschaft mitnehmen. Wer die eigene Arbeit mit KI vereinfacht, darf dadurch nicht den eigenen Arbeitsplatz verlieren. Erst wenn das klar ist, wächst das Unternehmen wie ein Mischwald: mit vielen, die mitwachsen, statt wenigen, die alles tragen. Wie das gelingt, beschreibt der Beitrag zum Wachstum mit demselben Team.

Wie verändert man das Unternehmen also mit KI bei laufendem Betrieb? Ablauf für Ablauf, mit dem, was das Unternehmen stark macht, als Maßstab. Am Ende ist das ganze Unternehmen betroffen, aber nie alles auf einmal. So erneuert sich auch der Mischwald, Baum für Baum, und übersteht deshalb den Sturm. Wer diese Erneuerung selbst gestaltet, bestimmt auch, was bleibt.

Sebastian FetzCEO, PerelynLinkedIn
Kontakt

Für Projekte, Partnerschaften, Presse und offene Stellen.

Goethestr. 68, 80336 München · +49 89 12137977 · contact@perelyn.com
Kontakt

Gespräch anfragen. Wir melden uns.

Für Projekte, Partnerschaften, Presse und offene Stellen.

Anliegen
* Pflichtfeld
In guter Gesellschaft:
Deutsche BahnE.ONHenkelLiebherrMarc O'PoloMunich ReREWEZEISSRocheOn